Der Spring liegt am Südwestrand von Mühlberg im Landkreis Gotha auf einer Höhe von 299 m ü. NN. Das oberirdische Einzugsgebiet der Quelle beträgt 2,3 km². Das unterirdische ca. 16 km².
Daten
Im Mittel ergießen sich 33,7 Liter pro Sekunde kristallklares Wasser in einer Temperatur von konstant 8 Grad Celsius aus der 6,5 m tiefen Quellgrotte hervor. Ein Liter Wasser enthält ca. 1,4 g Anhydrit (Calciumsulfat). Das Wasser löst damit pro Tag etwa vier Tonnen dieses Minerals aus dem Untergrund.
Das Alter der Quelle wird nach geologischen Untersuchungen auf ungefähr 7000 Jahre geschätzt. Der Quellaustritt stellt einen fossilenErdfall dar. Er misst an der Oberfläche rund vier und am Grund etwa drei Meter. Dieser entstand durch Auslaugung der Gipslager im tieferen Untergrund und nachfolgendes Einbrechen der höheren Tonsteinschichten.
Es gibt keine Erkenntnisse, dass das Wasser aus Vorflutern (etwa die Apfelstädt oder die Ohra) ergänzt ist. Auch Verschmutzungen sind nicht bekannt. Die Blaufärbung des Wassers ist auf den hohen Sulfatgehalt und die Reinheit zurückzuführen, sowie auf die Tatsache, dass aus (weißem) Sonnenlicht die langwelligen (roten, gelben) Farbanteile ausgefiltert werden, weil sie die Wasseroberfläche durchdringen, und die kurzwelligen (blauen) Farbanteile reflektiert und somit gesehen werden.
Wirtschaftliche Bedeutung
Der Wasserausstoß zeigt große saisonale Schwankungen (im Sommer meist mehr als im Winter), was die Mühlenbetreiber des Mittelalters dazu zwang, Auffangbecken in den Bachlauf vor ihrer Mühle zu bauen, um hieraus gleichmäßig viel Wasser zu erhalten. Seit Beginn der Aufzeichnungen ist der Spring etwa 30-mal trockengefallen. Die Ursachen hierfür sind lang anhaltende Trockenzeiten im Herbst und starke Kälte im Winter sowie Karsteinbrüche, die die Wasserläufe verändern und die Abläufe verlegen.
Schon 531 sollen die Franken während des Niedergangs des Thüringer Königreiches die Quelle benutzt haben. Es ist nicht auszuschließen, dass dieser Wasserreichtum ein Hauptgrund zur Gründung der Ansiedlung war, die heute die Gemeinde Mühlberg ist. Der Spring soll zu germanisch-heidnischer Zeit kultische Bedeutung gehabt haben.
Die Dauer des Trockenfallens beträgt zwischen 14 Tagen und 44 Monaten.
Sieben Mühlen speiste die Quelle schon 1655 mit ihrer Wasserkraft. Wenn sie versiegte, war das für die Bevölkerung am Fuße der Mühlburg sehr folgenreich.
Der erste Chronist, der das Ausbleiben des Wassers dokumentierte, war Wendelinus Hellbach. Er berichtete über eine 142-tägige Trockenperiode vom 30. September 1536 bis zum 18. Februar 1537. Auch in lokalen Legenden und Sagen wird über die Trockenperioden erzählt. So soll der Quelle immer dann eine „Auszeit“ bevorstehen, wenn der Ort ein besonderes Ereignis zu erwarten habe.
Die letzte große Trockenperiode vom 8. August 1989 bis zum 26. April 1993 nutzte die Gemeinde, mit Mitteln des Bundes, des Landes und eigenen, die Quellgrotte zu sanieren und den Platz um die Quelle zu einem attraktiven Punkt der Gemeinde umzugestalten.
Der Mühlberger Spring in Dorfgeschichten
Die Einwohner erzählten sich zum Beispiel in der Mitte des 19. Jahrhunderts, dass in der Quelle eine Nixe wohnt, die manchmal am Quellenrand ihre Haare flicht.[1][2] Die Mühlberger feiern alljährlich im Sommer ein Fest, in dessen Verlauf die Springnixe gewählt wird.
Übersicht über das Ausbleiben des Mühlberger Springs
Melissantes: Das Erneuerte Alterthum, oder Curieuse Beschreibung einiger vormahls berühmten, theils verwüsteten und zerstörten, theils aber wieder neu auferbauten Berg-Schlösser in Teutschland, aus glaubwürdigen Historicis und Geographis mit vielen denckwürdigen Antiquitäten vergesteller, und nebst zweyen Registern etwas vermehrter ausgefertiget. Joh. Jacob Spießens, Franckfurth, Leipzig 1721.
J. F. Adloff: Historische Beschreibung der drei thüringischen Bergschlösser Gleichen, Mühlberg und Wachsenburg, sammt ihren Merkwürdigkeiten. Mit einer Abbildung dieser Schlösser in Steindruck. Engelhard-Reyher, Gotha 1824.
H. Jung: Der Spring zu Mühlberg i. Thür. Fürstliche Hofdruckerei von Emil Frotscher, Arnstadt 1901.
G. Merz: Der Mühlberger Spring. Hydrogeologie/Hydrodynamik. Eine geologisch-technische Dokumentation zum Mühlberger Spring. In: Thüringischer Geologischer Verein (Hrsg.): Kurzfassung der Vorträge und Exkursionsführer. Geologie und Landschaft in der Umgebung von Arnstadt. 14. Jahreshauptversammlung vom 18. bis 20. Juni 2004. Selbstverlag, Jena 2004, 114–116.
Einzelnachweise
↑Millwitz, Clemens (1830): Der Thüringer Wald mit seinen nächsten Umgebungen; nach seinen gegenwärtigen gesamten Verhältnissen geschildert. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde. Mit 14 Kupfern. Erfurt: Friedrich Wilhelm Andreä, S. 192.
↑Ludwig Bechstein (Hrsg.) (1837): Die Sagen aus Thüringens Vorzeit, von den drei Gleichen, dem Schneekopf und dem thüringischen Henneberg. Nebst einer Abhandlung über den ethischen Werth der deutschen Volkssagen. (= Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes, Dritter Theil) Meiningen, Hildburghausen: Kesselringsche Hofbuchhandlung, S. 123.